Montevideo

Als wir in Montevideo aus dem Busterminal laufen schreien zwei Männer in unserer Nähe laut auf, in einer fast etwas beängstigenden Art. Wir gucken uns gegenseitig mit Fragezeichen in den Augen an, was mit ihnen los ist. Im gleichen Moment hören wir ein noch lauteres Brüllen einer kleinen Menschenversammlung nicht weit von uns. Dem tiefen Raunen entnehmen wir schließlich ein „Gooooolll“. Uruguay spielt gerade im wenigen hundert Meter entfernten Stadion gegen Chile. So sehen wir direkt bei unserer Ankunft wie Fußball-verrückt dieses kleine Land von 3 Millionen Einwohnern ist, dass international mit den ganz Großen mithalten kann. Chile wird an diesem Abend mit 4:1 besiegt. Auf der Avenida 18 de Julio, der Hauptstraße von Montevideo, ist heute so gut wie kein Mensch. Außer auf einem Platz. Der ist brechend voll. Hier steht eine Videoleinwand.

Schon an diesem Abend kommt uns Montevideo unheimlich modern vor. Wir laufen mit unserem Gepäck in der Dunkelheit von der Avenida 18 de Julio, an der uns der Stadtbus abgesetzt hat, einige Blocks zu unserem schicken Ukelele Hostel und haben keinerlei Sicherheitsbedenken. Wir fühlen uns wie in einer europäischen Großstadt. Dieser Eindruck bestätigt sich am nächsten Tag, als wir das Centro Historico entdecken. Die Plätze in der Stadt und die Architektur erinnern uns sehr an Paris. Vergleichbar sind auch die Preise. Für unser privates Hostel Zimmer bezahlen wir 50 Dollar (zwei Betten im Dormitorio sind mit 40-42 Dollar kaum günstiger), eine Kugel Eis kostet umgerechnet 2 Euro und für ein einfaches Mittagessen (Chivito-Sandwich mit Fritten, Frankfurter mit Kartoffelsalat, ein Glas Wein und Limo) bezahlen wir ca. 25 Euro. Selbst der Supermarkt, in dem wir uns die restlichen Tage versorgen, kommt uns teurer als in Europa vor.

Einen großen Kontrast zum modernen Stadtbild Montevideos erzeugt das öffentliche Krankenhaus. Wir kommen hierher um den Besserungsverlauf meiner Ohrenentzündung überprüfen zu lassen, die sich immer noch hartnäckig hält und finden ein Gebäude vor, dass den Eindruck macht, unter ernsthafter Einsturzgefahr zu leiden. Im Hostel wird uns später bestätigt, dass es sich bei dem Problem nicht nur um unseren Eindruck handelt. Und dennoch erscheint uns der Betrieb gut organisiert und der HNO-Arzt zu dem wir schließlich gelangen sehr kompetent. Bezahlen muss ich für die Behandlung wieder nichts. Dennoch ist es traurig in einem Land, dass einen so fortschrittlichen Eindruck macht, ein Krankenhaus in solch einem heruntergekommenen Zustand zu sehen. Und doch können wir die Lage des Gesundheitssystem nicht so richtig einschätzen. Von dem was wir hören scheinen alle Arbeitnehmer in Uruguay durch den Arbeitgeber privat versichert zu sein und bekommen dementsprechend ihre Behandlungen in privaten Krankenhäusern bezahlt. So scheint die öffentlichen Krankenhäuser kaum noch jemand zu nutzen. Wer sie finanziert bleibt uns ein Rätsel.

Auch die Preise der Apotheken erscheinen uns sehr rätselhaft. Nachdem die erste Farmacia umgerechnet ca. €27 für die Ohrentropfen haben will uns das Rezept zur Einreichung bei der Krankenversicherung jedoch nicht mitgeben will, bekommen wir die Tropfen in der nächsten Apotheke für ca. €10.

Manche Dinge sollen einfach nicht sein

Am Freitag den 20 November beschließen wir weiter nach Colonia zu fahren. Nach einem kurzen Wiedersehen mit dem netten Arzt, der mir bestätigt, dass das Ohr auf dem Weg der Besserung ist, fahren wir zum Busterminal. Von hier wollen wir noch ein, zwei Weingüter außerhalb der Stadt besichtigen und anschließend einen Bus nach Colonia nehmen. Doch als wir am Busbahnhof aussteigen, erfahren wir, dass heute kein Bus mehr das Terminal verlassen wird, da gestreikt wird.

Also steigen wir wieder in den Stadtbus und fahren zurück zum Hostel um unser Zimmer für eine weitere Nacht zu reservieren und das Gepäck dort zu lassen. Die Weinregion kann man anscheinend auch von einem anderen Busterminal aus anfahren, aber mittlerweile ist es schon etwas spät um die Tour zu machen, die wir raus gesucht hatten. Mit der Hilfe der netten jungen Frau unseres Hostels entscheiden wir uns schließlich für den Rest des Tages noch ein Auto zu mieten um die Weingüter wieder selbstständig besuchen zu können. Eine Stunde später steht das Auto vor dem Hostel. Ein chinesischer Nachbau namens BYD, der verblüffende Ähnlichkeit mit einem Peugeot 107 hat, inkl. hochmoderner Wegfahrsperre. Der unterhaltsame Vermieter zeigt uns, wie man das Auto ohne Schlüssel startet. Gegen 14 Uhr verabschieden wir uns von ihm und sind endlich startklar. Doch als wir versuchen das Auto wieder zu starten, ertönt lediglich ein kurzes Geräusch. Nach minutenlangem Rumprobieren, denken wir, dass wir zu blöd sind mit dieser Wegfahrsperre umzugehen und rufen den Vermieter an um uns das Ganze nochmal zu zeigen. Doch auch mit dem Vermieter springt das Auto nicht mehr an…

Wir entscheiden, dass es heute wohl nicht sein soll, dass wir die Weingüter besichtigen, genauso wenig wie dass wir nach Colonia kommen sollten. Unser Frust des heutigen „Pechs“ wandelt sich in Humor und wir müssen laut lachen, nachdem wir uns vom Autovermieter verabschiedet haben. Vermutlich war es sogar noch Glück, dass das Auto vor dem Hostel nicht mehr angesprungen ist und nicht irgendwo unterwegs. So nutzen wir den Nachmittag um auf den Torre Antel zu fahren. Das hatte gestern bei schlechtem Wetter nicht geklappt, da er geschlossen war. Heute scheint die Sonne und sie Sicht ist bestens.

Morgen versuchen wir um 6:50 Uhr wieder einen Bus nach Colonia zu nehmen.

  2 comments for “Montevideo

  1. James
    23. November 2015 at 0:58

    Merci de nous faire partager cette étape qui comme la précédente recelle de détails tout aussi intéressants et merci à hike de nous permettre tous les jours d’être réconforté et d’animer quelques minutes de notre quotidien .

  2. Pablo
    2. Dezember 2015 at 19:15

    Very good your page travel was nice to meet in montevideo. The hope in iquique chile for some music.

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